Nachruf

Lieber Kay,

Worte können nicht beschreiben, was wir seit der niederschmetternden Nachricht von Dienstag empfinden. Noch immer sind wir fassungslos und es fällt uns unendlich schwer zu begreifen, denn Dein plötzlicher Verlust hat uns tief getroffen. Mit Deinem Tod verlieren wir einen geliebten Menschen, Freund, Ultrà und Herthaner. Ohne Dich gäbe es uns und unsere, Deine Gruppe Harlekins Berlin ´98 nicht. Als sich der Wechsel von Hertha BSC Harlekins zu Harlekins Berlin ´98 vollzog und viele Gründungsmitglieder ihren Fokus anderen Interessen zuwendeten, warst Du da und hast den wichtigen Schritt zur Öffnung vollzogen.

Du warst in den Anfangsjahren immer der Prellbock für alle, wenn unsere Aktivitäten mal wieder nicht dem Allgemeinkonsens entsprachen, ob es nun Funktionäre oder die stetig wachsende Fanszene unserer Hertha waren. Überall musstest Du Deinen Kopf für uns hinhalten, sei es bei Dieter Hoeneß, der EGH oder später dem LKA, stets standest Du im Kreuzfeuer der Kritik und bliebst standhaft. Auch ein ungerechtfertigtes Stadionverbot konnte Dich nicht aufhalten. Dein sächsischer Dickschädel brachte Dir in unseren Kreisen nicht nur den ein oder anderen dummen Spruch ein, sondern ebnete den weiteren Weg, den wir als Gruppe und Fanszene Hertha BSC in den folgenden Jahren beschritten.

Du hattest stets ein offenes Ohr für Jedermann. Wenn man Dich anrief, gingst Du ran oder riefst zurück. Der Austausch und die verschiedenen Perspektiven zu bestimmten Themen waren Dir stets wichtig. Früh erkannte man Deine Begeisterungsfähigkeit und Dein Organisationstalent, als es um die ersten Choreos und um den organisierten Support im Olympiastadion ging. Schon frühzeitig drücktest Du der noch jungen Ultraszene von Hertha BSC Deinen Stempel auf. Ob beim Malen von Zaun- und Schwenkfahnen, als Vorsänger der Kurve, bei der Organisation von Bussen zu Spielen unserer Hertha, der Durchführung von Choreos oder beim stundenlangen Diskutieren in der alten Fan-Baracke in Hohenschönhausen – unserer jahrelangen Heimat – über die Zukunft und Ausrichtung der Gruppe.

Du hast unsere Gruppe immer würdig vertreten, ob bei „Pro 15:30“/„Pro Fans“ oder „Kein Kick ohne Fans“. Unvergessen bleibt auch Dein Einsatz für Benny, für dessen Rettung Du alle nur erdenklichen Hebel in Bewegung gesetzt hast. Was heute in Zeiten der Digitalisierung und des Internets eine Leichtigkeit wäre, schafftest Du durch Deine gute Vernetzung innerhalb der Ultrà- und Fanbewegung auf dem Weg der alten Schule. Auch nach Bennys tragischem Tod warst Du weiter aktiv. Jahrelang warst Du als Organisator des Remember Benny Cup am Ball. Mit den Jahren wurdest Du etwas ruhiger und nahmst Dir als Ehrenmitglied unserer Gruppe Raum und Zeit für Deine persönliche Entwicklung, ohne jedoch der Gruppe den Rücken zuzukehren. Bei besonderen Anlässen und Ereignissen standest Du uns immer wieder wie selbstverständlich mit Rat und Tat zur Seite, egal ob es Fankongresse oder die Live-Übertragung eines Heimspiels in der Waldbühne waren. Stets bliebst Du Deiner Hertha treu!

Dir war klar, dass nach der Schließung unserer Gruppe im Jahr 2004 ein neuer Zusammenschluss oder Dachverband aller Interessierten von Nöten war, um das Ziel einer geeinten Fanszene zu erreichen. Schnell warst Du auch hier federführend dabei, als der Förderkreis Harlekins gegründet wurde, der Ursprung für den späteren Förderkreis Ostkurve, dem Anlaufpunkt für alle aktiven Herthaner. Nur durch Dein anfängliches, jahrelanges Mitwirken konnte sich der FKO zu dem entwickeln, was er heute geworden ist. Ähnlich wie in der Gruppe tratest Du auch hier als Aktivposten und Macher in Erscheinung, brachtest nicht nur Deine Expertise und Kontakte ein, sondern nahmst auch nachfolgende Generationen an die Hand und konntest sie mit Deiner Art und Weise anstecken und begeistern.

Noch bei einem Treffen unserer Gruppe im Herbst letzten Jahres bestätigtest Du mit den Worten „Harlekins wird immer meine Gruppe bleiben“ Deine nie verlorengegangene Verbundenheit – trotz Präsidentenamt. Schon vor der Wahl zum Präsidenten 2022 weihtest Du uns in Deine Pläne ein, für das oberste Amt des Vereins zu kandidieren. Es verstand sich von selbst, dass wir Dich hierbei als Gruppe unterstützen würden, nachdem unsere Alte Dame dermaßen an die Wand gefahren wurde. Das Amt, den Verein, die Fahne hast Du dabei rund um die Uhr gelebt und alles andere hinten angestellt.

Wir haben Dich verloren, Kay. Jeder auf seine Art und Weise. Sei es als Präsident, als Chef, als Freund, als Trauzeuge, als Ehemann, als Sohn, als Vater oder als Ultrà. Letztendlich haben wir alle den Menschen Kay verloren. Wie groß dieser Verlust tatsächlich ist, ist kaum zu beschreiben. Du warst nicht nur Deinem engsten Umfeld gegenüber immer eine Hilfe, sondern Du warst für jeden da, der es brauchte. Sobald Du spürtest, dass Dein Gegenüber durch Unbehagen geplagt wurde, nahmst Du Dich der Sache an. Erst recht, wenn derjenige die Fahne im Herzen trug. Freunde konnten sich stets sicher sein, dass Du helfen kommst, wenn’s brennt. Nicht auf Nachfrage, sondern von allein. Aber auch Menschen, die Dich flüchtig oder „nur“ aus der Öffentlichkeit kannten, sind in diesen Stunden tief betroffen und können es nicht verarbeiten, dass Du von uns gehen musstest.

Viele von uns haben Dich letztmalig beim Spreebär-Gedenkcup vor gerade einmal zwei Wochen gesehen und sich mit Dir ausgetauscht. Trotz Deines vollen Terminkalenders war es Dir immer wichtig, wenigstens kurz bei Veranstaltungen der Gruppe präsent zu sein und teilzunehmen. Daher wird uns Dein Verlust vielleicht erst so richtig bewusst werden, wenn Du im Sommer nicht wie üblich beim Remember Benny Cup in Badelatschen auftauchst und bei jeder Mannschaft einspringen wirst, um barfuß die berühmte “Bernstein-Klebe” rauszuholen.

Unsere Gedanken sind bei Deiner Frau Eileen, Deinen Töchtern, Deiner Familie und natürlich bei Dir!

Danke für alles – Du wirst uns fehlen…

In Liebe, Deine
Harlekins Berlin ‘98 im Januar 2024

Wir möchten an dieser Stelle noch einmal einen Teil Deiner Worte zum Jahreswechsel zitieren:

„Mein Wunsch für 2024: Lasst uns diese Gemeinschaft pflegen und stärken, um daraus Kraft zu gewinnen, die uns nicht nur träumen, sondern auch Ziele erreichen lässt. Lasst uns aber auch nicht müde werden, den Finger in die Wunde zu legen. Lasst uns den Mut haben, besser zu werden! Beherzigen wir das, blicken wir in eine Zukunft, in der wir alle mit Stolz die Hertha-Fahne auf der Brust tragen und uns als Teil des Ganzen fühlen können.“