Eintracht Braunschweig – Hertha BSC 3:5

Tore:
1:0 Sturm (10.),
2:0 Ehlers (33.),
2:1 Thorsteinsson (44.),
2:2 Brekalo (45.+4),
2:3 Ehlers (53.,ET),
2:4 Brekalo (69., FE),
2:5 Adewumi (87.),
3:5 Urbich (88.)

Zuschauer: 21.883

Zum Spiel:
Vom Anpfiff an nahm unsere Alte Dame das Zepter in die Hand und agierte dominant auf dem Feld. Im letzten Drittel fehlte zunächst jedoch das Quäntchen Glück. Nach zehn Spielminuten unterlief dem eigentlich souveränen Kolbe, ein kapitaler Bock im Aufbauspiel, der direkt von den Braunschweigern eiskalt bestraft werden sollte. In der Folge ergaben sich Chancen auf beiden Seiten, da die Gastgeber immer wieder gefährlich konterten. In der 33. Minute erhöhte Ehlers nach einem schlecht verteidigten Eckball auf 2:0 für den BTSV. Doch unsere Alte Dame zeigte Moral. Kurz vor dem Pausenpfiff gelang durch Thorsteinsson (44.) und einen Geniestreich von Brekalo (45.+4) der Doppelschlag zum Ausgleich. Nach der Pause übernahmen wir, wie bereits im ersten Durchgang, das Spielgeschehen und kreierten Chancen en masse. Ein Eigentor von Ehlers (53.), ein Elfmeter von Brekalo nach Videobeweis (69.) und ein Volleytreffer von Adewumi (87.) stellte zwischenzeitlich auf 5:2 und machte die spektakuläre Wende nach 2:0-Rückstand perfekt. Dem BTSV gelang nach wilden Spielverlauf in der 88. Spielminute lediglich noch Ergebniskosmetik. Am Ende des Tages steht ein absolut verdienter und spielerisch erneut überzeugender Sieg unserer Mannschaft zu Buche, wodurch unsere Alte Dame nach diesem wilden Ritt kurzfristig von ganz oben grüßen durfte und weiterhin ungeschlagen bleibt.

Herthaner uff Achse:
Um den Arbeitstag halbwegs ausschöpfen zu können, reiste der Großteil der Herthaner am Freitagabend mit dem PKW an, am Ende fanden sich 2.500 Berliner im ausverkauften Gästeblock ein. Die Vorfreude darauf, die Siegesserie weiter auszubauen, war jedem im Block anzumerken und so startete die Ostkurve lautstark in die Partie. Aufgrund der spielerisch guten Leistung ließ sich der Block auch nach den beiden Gegentreffern nicht wirklich lange beirren, glaubte weiterhin an die Mannschaft und blieb lautstark.

Während der 2:0- Führung der Braunschweiger gingen auf beiden Seiten Sprüchbänder hoch, um die Verbände erneut auf die Regionalliga-Reform aufmerksam zu machen. Mit dem Wortlaut „„Aufstiegsreform? Vereine & Fans betrogen! Eure Zeit ist um! Ralph Uwe Schaffert – Peter Frymuth – Thomas Bergmann – Christoph Kern – Hermann Winkler Kompassmodell jetzt!“ (HB‘98) wurden gezielt die fünf Präsidenten der Regionalverbände für das bisherige Versagen verantwortlich gemacht, die die Aufstiegsreform blockiert haben.

Der Gästeblock sollte noch vor dem Halbzeitpfiff erlöst werden und durfte direkt doppelt jubeln. Nach dem Ausgleich gab es kein Halten mehr und der Ohrwurm, der sich seit dem ersten Spieltag bei jedem Herthaner eingebrannt haben dürfte („102 Punkte – Hertha BSC“) , wurde voller Freude aus den Kehlen der Mitgereisten im Gästeblock geschmettert. Nach der Pause trieb der Gästeblock die Mannschaft weiter nach vorne und knüpfte nahtlos an der sehr guten Leistung der ersten Hälften an. Über den gesamten Spielverlauf hinweg war die Mitmachquote sowohl im Stehplatzbereich als auch im Sitzer überragend. Erwähnenswert bleibt allerdings, dass einer der Treffer am Freitagabend von vielen Herthanern im Gästeblock nicht ausgiebig gefeiert wurde. Nach dem Elfmeter zum 4:2 hielt sich die Freude bei einem Großteil der Mitgereisten aufgrund der Entstehung durch den Videobeweis merklich in Grenzen. VAR abschaffen! Von der Gruppe 1892 gab es zudem noch ein Genesungsspruchband an ein Mitglied unserer Gruppe („Paddy, wir sind bei Dir!“).

Nach dem Abpfiff wurde der nächste Sieg reichlich mit der Mannschaft gefeiert. Obwohl die Spieler nach den Feierlichkeiten in die Kabine gegangen war, hatte der Gästeblock
anscheinend nicht genug. So wurde nach dem eigentlichen Abschied der Mannschaft ein neues Lied ausprobiert, welches auch sehr gut anklang fand. Anschließend fanden sich auch einige Klassiker, die in der letzten Zeit eher selten gesungen wurden im Gästeblock wieder und schallten durchs Stadion. Der noch gut gefüllte Block sang sich zugegebenermaßen nochmal in einen echten Rausch, der auch anscheinend in den Katakomben des Eintracht-Stadions zu hören war, weshalb die Mannschaft nach gut 30 Minuten erneut vor die Kurve kam. Ein Dank soll an dieser Stelle auch nochmal in Richtung Baden gehen, denn auch an diesem Freitag nahmen einige Freunde aus Karlsruhe den Weg auf sich, um uns und unsere Alte Dame zu unterstützen.

Alles in allem legte die Ostkurve einen der besten Auftritte der letzten Jahre in Braunschweig hin und träumt weiter von den magischen 102 Punkten.

Heimkurve:
Bereits vor Spielbeginn wurde der langjährige Vorsänger der Südkurve vor seinem letzten Spiel auf dem Podest verabschiedet. Seitens der Fanbetreuung gab es ein Eintracht-Trikot mit der Rückennummer 20 sowie ein goldenes Megafon, kurz darauf lief eine Diashow seiner Gruppe Cattiva Brunsviga auf den Stadionleinwänden. Die Gastgeber wiesen in der ersten Hälfte quantitativ eine gute Mitmachquote auf, waren allerdings bis auf wenige Ausnahmen kaum zu vernehmen. Nach den beiden Treffern hatte es den Anschein, als würde sich die Beteiligung in der Südkurve noch einmal erhöhen. Im Gästeblock kam davon dennoch relativ wenig an. In der 20. Spielminute dankte man dem Capo der CABS mittels eines Spruchband auf der Gegentribüne für seine geleistete Arbeit. Während der ersten Halbzeit beteiligte sich die Heimseite zudem an der Aktion zur Aufstiegsreform. So sprach sich auch die Südkurve per gleichlautendem Spruchband für das Kompassmodell aus.

In der Halbzeit kam es in der Südkurve zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Ultras und älteren Braunschweigern, Anlass dafür war die unterschiedliche Auffassung zu Pyrotechnik. Diese Auseinandersetzung sorgte optisch für einen merklichen Abfall der Mitmachquote zu Beginn der zweiten Hälfte. Während der gesamten Partie wurden dann immer wieder vereinzelt Fackeln gezündet. Um die 80. Spielminute herum ging ein Banner mit der Aufschrift „Danke Benny“ vom Dach herunter, welches durch zahlreiche optische Elemente abgerundet wurde. Nach Abpfiff war die Südkurve schließlich erstmals an diesem Tage wirklich deutlich zu vernehmen, als sie ihren Capo noch einmal gebührend hochleben ließen.

Zu Besuch hatten die Braunschweiger Freunde aus Magdeburg, Basel und von Sampdoria Genua. Insgesamt legte die Südkurve optisch einen besseren Auftritt als bei unseren Besuchen in den vergangenen Jahren hin. Akustisch kam davon im Gästeblock allerdings nur wenig an, was sicherlich auch mit unserem eigenen starken Auftritt und dem Spielverlauf zusammenhing. Die Verabschiedung des Vorsängers nach knapp über 20 Jahren auf dem Zaun machte von außen betrachtet einen sehr würdevollen Eindruck.