DFB-Pokal
1. FC Saarbrücken – Hertha BSC 1:1 (2:4 n.E.)

Tore:
0:1 Seguin (69.),
1:1 Fahrner (90.+2)

Zuschauer: 15.500

Zum Spiel:
Von Beginn an war unsere Hertha die spielbestimmende Mannschaft, doch der Drittligist machte es auf dem Feld nicht einfach und spätestens Schlussmann Broll vereitelte etliche gute Chancen, die sich unsere junge Mannschaft herausspielte. So dauerte es bis zur 69. Minute, bis Seguin uns mit einem sehr sehenswerten Fernschuss in Front brachte. Es sah danach aus, als würde die Mannschaft das Ergebnis routiniert über die Zeit bringen, doch mit der letzten Aktion der regulären Spielzeit konnte der FCS tatsächlich den Ausgleich erzielen und uns in die Verlängerung ziehen. Diese brachte keine Entscheidung mit sich, sodass wir wieder einmal in der ersten Runde ins Elfmeterschießen mussten. 4 Herthaner verwandelten sicher, während Gersbeck zwei Elfer entschärfen konnte, sodass das Elfmeterschießen verhältnismäßig wenig nervenaufreibend vonstatten ging.

Herthaner Uff Achse:
Für über 800 Herthaner ging es im ersten Sonderzug der Saison ins weit entfernte Saarbrücken und nach einem kurzen Fußmarsch war das Ludwigsparkstadion erreicht. Das letzte Pflichtspiel war über 30 Jahren her (2.Bundesliga 94/95), das Stadion hat sich also seit dem letzten Aufeinandertreffen ordentlich verändert. Dennoch muss man dem FCS zugutehalten, dass der Stadionumbau ein sehenswerteres Ergebnis hinterlassen hat als an manch anderen Orten und das Stadion mehr Charme versprüht als viele Neubauten in Fußballdeutschland. Im langgezogenen Gästeblock verteilte sich die aktive Fanszene hauptsächlich über die gesamte Breite des Stehplatzblocks und Gruppa Süd sowie die Casual Kutten nahmen zudem den Sitzplatzblock in Beschlag. Zum Start in die Partie hatten wir ein Intro unter dem Motto “Hier steppt der Bär!” dabei. Dieses sollte passend zur Sonderzugfahrt den hoffentlich stimmungsvollen Auftritt im Gästeblock untermalen. Nachdem der zentral stehende bekannte, Fußball spielende Bär mit etlichen Schweißperlen gerade noch rechtzeitig fehlerfrei aufgerichtet werden konnte, wurden zum “Wir, wir woll’n Hertha” in die Partie gestartet. Haufenweise Wurfrollen, Scheibenkonfetti und Luftballons wurden geworfen, hinzu kamen blaue und weiße Rauchtöpfe sowie das gewohnte Fahnenbild.

Optisch war der Start in die Partie gelungen, auch akustisch konnte gut losgelegt werden, dennoch merkte man vielen Herthanern auch schnell die lange Anreise an – leider ein Klassiker bei Sonderzugfahrten. So ebbte die Lautstärke ab, was nicht bedeutet, dass die Mitgereisten nicht viel Spaß hatten, etwa als man sich minutenlang zum “Englishman in New York” beim Zelebrieren der Freundschaft zum Karlsruher SC in einen Rausch sang. Alles in allem war der Auftritt ok und hatte auch im gesamten Spielverlauf immer wieder gute Momente, dennoch müssen wir uns eingestehen, dass wir nicht die Visitenkarte im Ludwigspark hinterlassen konnten, die wir hier gerne mit einem fanatischen Auftritt über die gesamte Spielzeit hinweg aufgezeigt hätten.

Nach 26 Minuten gedachten wir per Spruchband des kürzlich verstorbenen Neapolitaners Dundu. Er war Mitglied der Mastiffs, bekanntes Gesicht und prägend für die Ultrà-Kultur in Neapel, was auch der gemeinsame Trauermarsch von Curva A und Curva B in der Neapolitaner Altstadt unter Beweis stellt. Ruhe in Frieden! Die Spruchbänder “Wir sind bei Dir, Paddy!” und “Immer weiter kämpfen, Schalker!” waren als aufmunternde Worte für Mitstreiter von uns dabei. Außerdem gab es nach 60 Minuten noch eine gemeinsame Spruchbandaktion mit der Virage Est. Wir beteiligten uns beide an den bundesweiten Protesten für die Abschaffung des VAR, denn in der ersten Runde des DFB-Pokals kommt dieser emotionsfeindliche Quatsch nicht zum Einsatz: “Heute: Fußball wie er sein sollte – VAR dauerhaft abschaffen!” titelten beide Kurven. Dieses Spruchband gab es bundesweit bei nahezu jedem Pokalspiel zu lesen. Bestärkung fand diese klare Haltung der Fankurven durch eine Stellungnahme des FC Augsburg, der sich ebenfalls für eine Abschaffung des VAR aussprach, da man sich auch eingestehen müsse, wenn etwas nicht geklappt hat. Wir können nur hoffen, dass sich diese Erkenntnis auch in weiteren Vereinen sowie in den Chefetagen der Fußballverbände durchsetzt. Ihr macht unser’n Sport kaputt – VAR abschaffen!

Zum Elfmeterschießen auf unserer Seite gab es gellende Pfeifkonzerte bei den Elfern des FCS und geschlossene Schlachtrufe zu unseren Elfmetern und nachdem sich diese Schleife viermal wiederholt hatte, wurde das Weiterkommen mit der Mannschaft und Elfer-Killer Marius gefeiert. Im Gästeblock wurde zudem ein “BSC”-Graffiti an der hinteren Blockmauer hinterlassen, auf der passend zur Choreo auch ein Bär mit Fußball und Herthatrikot gemalt wurde. Dann ging es zurück zum Hauptbahnhof und im Sonderzug auf die Rückfahrt nach Berlin. Unterstützung erhielten wir heute von einer großen Abordnung Karlsruher, die auch einen Abschnitt der Zugfahrt mit uns verbrachte. Außerdem waren ein paar Ultras der alarMstufe bei der Hauptstadtmafia zu Gast.

Heimkurve:
Auch in Saarbrücken war die Vorfreude auf das Aufeinandertreffen mit unserer Alten Dame groß. Die Virage Est zog vor dem Spiel mit einigen Tausend Fans aus der Altstadt zum Ludwigspark. Hierbei lief man hinter einer “Ein getragener Verein”-Zaunfahne, an die auch das Choreomotto anknüpfte. Hier wurde der – schlecht lesbare – Schriftzug “Ein getragener Verein” am Dach hochgezogen, ehe am Seilzug ein überdimensionales Vereinslogo hochgezogen wurde. Dieses lag auf den Schultern mehrerer unten am Zaun dargestellter Fans. Die Zaunfahne vom Marsch wurde passend zum Motto des Tages nach dem Spielende noch einmal herausgeholt und der Mannschaft präsentiert.

Die Heimkurve machte insgesamt einen guten Eindruck. Von einigen Vorsängern angepeitscht konnte immer wieder eine gute Mitmachquote ausgemacht werden. Viele Fahnen sorgten für ordentlich Bewegung. Akustisch kam seltener etwas im Gästeblock an, trotzdem war eine gute Mischung aus Schlachtrufen und längeren Liedern auszumachen. So richtig zufrieden ist man auf der Heimseite mit dem eigenen Auftritt nicht, uns attestierte man einen “soliden” Auftritt. In der Virage Est stachen die roten Shirts der Freunde aus Nancy optisch aus der Masse heraus, hierbei handelt es sich um langjährige Freunde aus Frankreich, die auch mit der Zaunfahne der Ultras vom “Saturday FC” am Zaun präsent waren. Außerdem war die Brigade Sud Nice mit einem Stück Stoff im Bereich der sportlichen Saarbrücker anwesend.

Im Laufe der Partie kam es zu einem medizinischen Notfall in der Heimkurve, in dessen Folge ein 53-jähriger Anhänger des 1. FC Saarbrücken im Krankenhaus verstarb. Somit liegt ein Schatten über dieser Partie. Wir wünschen Freunden und Angehörigen viel Kraft – Ruhe in Frieden!