Zuschauer: 51.193
Tore:
1:0 Schuler (6.),
2:0 Winkler (21.),
3:0 Eichhorn (30.),
3:1 Ritter (45.+2),
4:1 Schuler (60.),
5:1 Kownacki (75.),
6:1 Krattenmacher (80.)
Zum Spiel:
Die erste Offensivaktion des Spiels gehörte den Gästen, doch bereits nach 6 Minuten konnte Schuler den ersten krassen Bock der Lauterer Defensive ausnutzen, Keeper Simoni umkurven und ins leere Tor einschieben. Nach Winkler´s 70-Meter-Lauf zum 2:0 konnte sich Nachwuchsspieler Eichhorn nach sehenswerter Vorarbeit in die Torschützenliste eintragen. Er machte sich hiermit zum jüngsten Torschützen in der Geschichte des DFB-Pokals und ist damit zugleich ein Aushängeschild für den Berliner Weg, der auf Talente aus der eigenen Jugend setzt und diesen jungen Spielern Einsatzzeiten gewährt. Das zahlt sich aus! Tjark Ernst musste nach über 10 Stunden ohne Gegentor auch mal wieder hinter sich greifen, denn gegen den unhaltbaren Schuss von Ritter kurz vorm Halbzeitpfiff konnte er nichts ausrichten. Dennoch zeigte er auch heute wieder bärenstarke Paraden. Der gute Start wurde in der Folge getoppt: Hertha hatte zu keiner Zeit Probleme, den Gegner jederzeit unter Kontrolle, traf allein in der ersten Halbzeit 3x noch das Alu und durfte sich im Verlauf der Partie über etliche, weitere Defensivfehler freuen.
In der zweiten Hälfte setzte sich das Offensivspektakel fort und Schuler sowie die Einwechselspieler Kownacki und Krattenmacher machten das halbe Dutzend perfekt. Trotz einiger Torwartfehler durfte sich der FCK bei Keeper Simoni und dem Aluminium bedanken, Hertha hätte auch mehr Tore schießen können. Somit steht Hertha BSC völlig verdient im Viertelfinale und wir wurden Zeuge einer Leistung, die man in der Form schon jahrelang von unserer Mannschaft nicht mehr gesehen haben dürfte und im Pokal schon Jahrzehnte nicht mehr!
Ostkurve Hertha BSC:
Aufgrund der Innenministerkonferenz wurden bundesweit einmal mehr die ersten 12 Minuten geschwiegen. Selbstredend beteiligten wir uns an diesem Protest und zeigten den Spruch „Keine Wahrheiten – Keine Kompromisse!“, der in allen Stadien zu lesen war. Es deutete sich in den letzten Tagen an, dass die IMK gewisse Punkte ihrer Unsinnsvorschläge zurücknehmen würde, um beim Thema Stadionverbotsvergabe einen sogenannten „Kompromiss“ zu erzielen – also die eigenen Vorstellungen durchzudrücken. Zu einem Kompromiss gehören nämlich normalerweise Gespräche zwischen zwei Seiten. Vereine, Fans, Fanprojekte, Fanhilfen wurden allesamt nicht eingebunden, stattdessen waren nur Polizei, Innenministerien und DFB/DFL dabei. Die IMK hält zudem alle ihre Beschlüsse sowie den zentralen „BLOAG-Bericht“ akribisch unter Verschluss. Ohne Einbindung kann es keine Kompromisse geben. Der zweite Spruch „Hertha BSC sagt „Nein“ zu jeder Änderung der Stadionverbotsrichtlinie!“ unterstrich diese klare Haltung von Ostkurve und Verein.
Nach 12 Minuten war es dann endlich soweit und wir starteten mit einem lautstarken „Hier kommt Hertha“ in den Support. Zugleich war nach 12 Minuten wie schon gegen Braunschweig Zeit für eine – dank der IMK verspätete – Choreo. Das Spruchband am Geländer des Oberrings verkündete „Sehet die Fahne der Alten Dame“ und aus dem Graben wurde die Heilige Maria im blau-weißen Gewand hochgezogen. Anstelle eines Kreuzes hielt diese eine Herthafahne am Rosenkranz in den Händen und ein „Ostkurve“-Schriftzug zierte ihren Heiligenschein. 6 auf Doppelhaltern dargestellte Kerzen waren über die Kurve verteilt zu sehen. Diese wurden jeweils durch 2 Fackeln entflammt. Nach finaler Ausrichtung der Fahne an der Seilkonstruktion verkündete das untere Spruchband – ebenfalls in Banderolen-Optik: „Fliehet, ihr feindlichen Dämonen“.
In der Ostkurve waren blaue Folienschals im Oberring und silberne Folienschals im Unterring verteilt worden, welche durch Blinkfackeln im Unterring der Kurve in Szene gesetzt wurden. Der Nebel umhüllte die Blockfahne wie gewünscht, sodass die Alte Dame mystisch durch den leichten Nebel hindurchschien, während das Blinken die Magie des Spruchs unterstrich. Die Choreo funktionierte insgesamt gut, allerdings gab es auch kleinere Schönheitsfehler. So wurden wenige Blinkfackeln zu früh angerissen und dass der Veranstalter DFB die Leinwand nicht ausschaltete, sorgte leider dafür, dass das Gesicht auf der Blockfahne in der Frontansicht vom Marathontor aufgrund der Lichtquelle im Hintergrund nicht gut zur Geltung kam. Insgesamt können wir mit der Choreo aber dennoch sehr zufrieden sein, denn im Stadion hat sie gewirkt – und das ist wichtiger als die Fotos in der Frontansicht!
Den historischen Hintergrund zur Choreo lieferte der mittelalterliche Exorzismus „Ecce crucem domini“ des Heiligen Antonius von Padua. Das Gebet zur Teufelsaustreibung aus dem 13. Jahrhundert enthält dabei im Original die Verse „Seht das Kreuz des Herrn! Fliehet, ihr feindlichen Mächte“, die wir in abgewandelter Form passend zum heutigen Gegner präsentierten.
Der Teufel konnte den Gästen heute auf den Rängen und auch auf dem Rasen erfolgreich ausgetrieben werden. Die Ostkurve legte phasenweise einen sehr starken Auftritt hin, der sich immer und immer wieder in der Lautstärke überbot. Ein dankbarer Abend für unseren heute aushelfenden Debütanten auf dem Vorsängerpodest, der seine Sache aber auch hervorragend machte! Die Kurve hatte auf jedes Lied Bock und passend zum Pokalspiel konnten wir auch einige alte Kracher wie „Wir holen die Meisterschaft“ oder „Ha Ho He, Du schöner BSC“ anstimmen. Torjubel und Lieder wurden des Öfteren durch einzelne Fackeln untermalt. Den so ersehnten nächsten Sieg feierten wir mit der Mannschaft mit einer „Uffta“. Zu Gast hatten wir wie nahezu immer Freunde aus Karlsruhe und Strasbourg.
Aller Freude über den gelungenen Tag zum Trotz müssen wir hier jedoch auch ernste Worte loswerden. Das Verhalten der Berliner Polizei bei den letzten zwei Heimspielen deutet eindeutig auf eine gezielte Provokation durch die Einsatzkräfte hin. Passend vor der IMK findet sich die Berliner Polizei plötzlich im Umlauf der Ostkurve wieder, wohl um genau die Bilder zu produzieren, die die Innenpolitik und ihre Helfer von BILD und Co. gerne hätten. Das Einwirken von Fanprojekt, Fanbetreuung und sogar vom Vereinspräsidenten und Geschäftsführer blieben ergebnislos. Es ist erschreckend zu sehen, dass einerseits vonseiten der Innenpolitik ein vermeintlicher Dialog in Aussicht gestellt wird und Stadionallianzen – also Gesprächsrunden zwischen Behörden, Verein und Fanprojekten – als Allheilmittel angepriesen werden, wenn die Praxis zeigt, dass die Bullen ohnehin machen, was sie wollen. Dass der Einsatzleiter der Polizei Vereinspräsident Fabian Drescher anschreit, er lasse sich „vom Verein nicht länger auf der Nase herumtanzen“, spricht Bände darüber, wie partnerschaftlich die Berliner Polizei mit ihren Netzwerkpartnern umgeht. Gegen Dresden hat es eine Auseinandersetzung im Stadion gegeben und die Polizei kam ihrer Aufgabe der Fantrennung hierbei sicherlich nicht nach. Dass man in der Folge die Herangehensweise anpasst, wird wohl niemanden überraschen. Einen Sicherheitsgewinn bringen Polizisten im Umlauf der Ostkurve aber niemandem, stattdessen wird hier bewusst auf eine Eskalation mit den Ostkurvengängern hingearbeitet.
Gästefans:
Rund 4.500 Pfälzer begleiteten ihr Team nach Berlin. Die aktive Fanszene mit ihren Gruppen Generation Luzifer, Pfalz Inferno und Frenetic Youth erreichten den Gästeblock erst unmittelbar vor dem Anpfiff. Mit einem Spruchband unter dem bundesweiten Motto „Keine Wahrheiten – keine Kompromisse“ beteiligte sich auch der Gästeblock am Protestspieltag. Ergänzt wurde das Spruchband durch den zweiten Teil: „Ihr zieht aus euren eigenen Zahlen die falschen Erkenntnisse!“, was wohl keiner großen Erläuterung mehr bedarf. Während die eigenen Statistiken das sichere Stadionerlebnis belegen, wird vonseiten der Innenminister ein Gewaltproblem herbeifantasiert, um die Fankultur in Deutschland endlich auslöschen zu können. Nach 12 Minuten erwachte auch der Gästeblock zum Leben, konnte sich aber während der folgenden 78 Minuten nicht ein einziges Mal Gehör in der Ostkurve verschaffen. Fackeln und Schwenkfahnen kamen auch im Gästeblock zum Einsatz, beschränkten sich aber auf den unteren Bereich des Blocks.
Mit einem „Scheiss Print@Home“-Spruchband positionierten sich die Lauterer für den Erhalt traditioneller Eintrittskarten. Hertha BSC bietet grundsätzlich jedem Gastverein klassische Eintrittskarten an, allerdings entschied sich der 1. FC Kaiserslautern leider für die unbeliebte Variante.






