Karlsruher SC – Hertha BSC 2:2

Tore:
1:0 Schleusener (7.),
1:1 Reese (20.),
2:1 Jung (26.),
2:2 Dudziak (79.)

Zuschauer: 32.190

Zum Spiel:
Bereits in der 7. Spielminute gelang dem Karlsruher SC die Führung. Im weiteren Verlauf entwickelte sich ein wildes Spiel mit viel hin und her, das von einer hohen Fehlerquote lebte. Nach unserem Ausgleich durch Reese, stellte Jung die Führung für die Karlsruher wieder her. Im Laufe des Spiels hatte Luca Schuler einige Großchancen, so auch kurz vor Schluss, ließ diese aber leider fahrlässig liegen. Knapp 10 Minuten vor Schluss erzielte Dudziak unseren verdienten Ausgleich. Darauf gelang es unserer Mannschaft nicht, den Sieg einzutüten und hatte sogar großes Glück, dass es in unserem Tor nicht nochmal klingelte. Somit ist unsere Elf seit vier Pflichtspielen ungeschlagen, aber auch seit fünf Spielen sieglos.

Herthaner Uff Achse:
Offiziell 3.600 Herthaner (plus eine unbekannte Dunkelziffer) freuten sich bei strahlendem Sonnenschein auf die sechste inoffizielle Freundschaftsbegegnung mit unseren Karlsruher Freunden seit unserem Abstieg 2023. Bereits am Vorabend verbrachten zahlreiche Herthaner die Zeit in verschiedensten Karlsruher Lokalitäten. Am Spieltag selbst lud die Gegengerade Karlsruhe ab 10 Uhr zum gemeinsamen Einstimmen am Fanhaus ein. Der Spieltag stand nicht nur bei uns, sondern auch bundesweit unter dem Zeichen, des völlig ausufernden Angriffs der Bullen auf die Ostkurve. Zu Spielbeginn präsentierten die Gruppen der Ostkurve zunächst das Spruchband „Gute Besserung allen durch Polizeigewalt verletzten Herthanern!“ und im Anschluss „Diese Kurve lässt sich nicht brechen – solidarisch und entschlossen gegen Polizeigewalt!“. Abschließend zeigten wir die bekannte „Bullenhass“-Fahne. Das Einhaken mit der darauffolgenden Hüpfeinlage war sehr lautstark und verdeutlichte wie viele Herthaner Lust aufs Singen hatten.

Im Verlauf der ersten Hälfte pendelte sich das Stimmungsbarometer wie so oft zwischen brachial laut und lustlos ein. Fast schon gewohnterweise besang der Gästeblock gemeinsam mit der Gegengerade die inzwischen fünf Jahrzehnte alte Freundschaft unserer beiden Clubs. Auch einige Gruppen verdeutlichten ihre Verbundenheit durch den Austausch einer jeweiligen Schwenkfahne. So wehte bei uns ein Schwenker der Phönix Sons, im Gegenzug ein Schwenker von uns in der Heimkurve. Auch die Hauptstadtmafia verdeutlichte ihre Verbundenheit zu ihren Freunden, den Wild Boys, genauso wie Ragazzi Della Curva mit dem Badenkollektiv. Während der Halbzeitpause zeigte Kaliber 030 das Spruchband „Stark bleiben, Fritz!“. Anlass war für ein Mitglied, welches mehrfach operiert werden musste. Auch mit Beginn der zweiten Hälfte wurde einem weiteren Herthaner mit „Weiter kämpfen, Sille!“ gute Besserung gewünscht. Begann der Support in Halbzeit Zwei wieder mal mehr als schleppend, im Gästebereich wurden viele Lücken ausgemacht, wurde er zum letzten Drittel des Spiels wieder lauter und ab dem Ausgleich wieder zeitweise brachial. Das „Hertha BSC – Heißt unser Verein!“, welches trotz wenig Text, so viel Aussagekraft hat, war im Stadion sehr laut zu vernehmen. Spreemacht kritisierte den eigenen Verein in Hinblick auf eine neue Werbepartnerschaft mit einem Glücksspielanbieter: „Neues Jahr, neues Glück? Hertha bringt die schäbigen Glücksspielpartner zurück!“.

Nach Abpfiff zeigten wir erneut die große „Bullenhass“-Fahne und einige Herthaner verewigten sich durch ein „Bullenhass“-Grafitto im Gästeblock. Zu Gast bei uns im Gästeblock waren neben einigen wanderlustigen Karlsruhern auch zahlreiche Ultra Boys aus Strasbourg.

Gegengerade Karlsruhe:
Zu diesem Freundschaftsspiel veröffentlichten die Karlsruher Ultrà-Gruppen erstmalig den „ULTRA1894-Spieltagsflyer“, als ein Pendant zum Kurvenecho, in welchem jedoch keine Spielberichte, sondern Themen, die das Kurvenleben beschäftigen, schriftlich festgehalten werden. Die Auflage beträgt zu Beginn 2.000 Stück, eine Veröffentlichung ist vorerst für alle zwei Heimspiele geplant. Das Vorsängerpodest schmückte wie immer die bekannte Gedenkfahne „Moser für immer“ und in Anbetracht der jüngsten Ereignisse eine Fahne mit „ACAB“-Schriftzug.

Die Gegengerade Karlsruhe startete unter gleichnamigen Motto mit einer Chaos-Choreo in die Partie und machte lautstark auf sich aufmerksam. Im Verlauf des Spiels waren die Karlsruher einige Male zu vernehmen. An bisherige gute Auftritte konnte aber nicht vollständig angeknüpft werden, obwohl das Meckern auf hohem Niveau ist. Uns Herthanern Solidarität ausdrückend, präsentierte die Gegengerade Karlsruhe zahlreiche Spruchbänder:
„Hausdurchsuchungen und Machtspielchen des Staates neuer Umgangston, doch Karlsruh‘ und Berlin sind stärker als jede Repression!“ Anlass waren einige Hausdurchsuchungen bei Herthanern in der Woche vor unserem Heimspiel gegen Gelsenkirchen. Sowie „Gute Besserung allen verletzten Herthanern!“ und „Bullen raus aus der Kurve!“

In graphischer Anlehnung an einen unserer Doppelhalter prangte vor der Gegengerade der Spruch „Berlin bleibt hart!“, welcher auch in anderen Stadien der Republik teilweise zu lesen war.

Die Karlsruher übten auch Kritik am eigenen Verein: „Tradition wird imitiert, Fankultur nur konsumiert – der Wildpark als Event weiter kommerzialisiert“ sowie „Nein zur Phönix Bar!“ (Gegengerade Karlsruhe). Der Hintergrund ist folgender: Der KSC hat sich zum Zuschauermagneten entwickelt. Von einem Schnitt von über 30.000 Zuschauern (Stadionauslastung 94%) hat man vor einigen Jahren nicht träumen können. Nun ist der KSC am Maximum angelangt, aus Tickets und Catering kann nicht viel mehr Kohle gequetscht werden. Der Profitlogik des Systems folgend schaut man sich nun nach neuen Einnahmequellen um, anstatt sich mit dem – vor wenigen Jahren noch unerreichbar geglaubten – Status Quo zufrieden zu geben. So wurden ungenutzte Räumlichkeiten neben der Gegengerade zur “Phönix-Bar” umgebaut. Für einen dreistelligen Betrag kann man hier Tickets mit bescheidener Sicht aufs Spielfeld und guter Sicht auf die Gegengerade Karlsruhe erwerben. Beworben wird der Standort mit der Stimmung im Wildpark, die man hier hautnah erleben könne. Nach dem Spiel legen DJs Party- und Ballermann-Musik auf, damit das gut betuchte Konsumenten-Volk den Spieltagsausklang feiern kann. Das Thema griff ULTRA1894 auch in ihrer ersten Ausgabe des Spieltagsflyers auf.

Die Gruppe Phönix Sons zeigte im Bereich der Gegentribüne das Spruchband „Anwalt, Kneipier, Nonkonformist – wir zählen die Tage, bis du wieder bei uns bist!“, welches einem Gruppenmitglied mit Stadionverbot gewidmet war, welches an diesem Tag aber in der Kurve stehen durfte. Der Vorschlag zum Spruchband kam dabei aus dem südamerikanhischen Exil. Im Bereich der Gruppe Rheinfire solidarisierten sich die Karlsruher mit dem Spruchband „Stoppt die Repression“ mit ihren Freunden aus Graz, welche zum Opfer polizeilicher Repression wurden. Den Abend ließen wir gemeinsam mit den Karlsruhern hinter der Gegengerade und in verschiedenen Lokalitäten in der Stadt ausklingen und verlebten noch einen schönen Abend beim Spiel der Futsalmannschaft des KSC. Zu Gast auf der Heimseite waren neben den vielen Strasbourgeois auch Grazer der Brigata, welche mit einem Überhänger Präsenz zeigten.