Hertha BSC – SV Darmstadt 98 2:2

Tore:
1:0 Reese (2.),
2:0 Eitschberger (15.),
2:1 Hornby (39., FE),
2:2 Hornby (62.)

Zuschauer: 35.756

Zum Spiel:
Bereits nach zwei gespielten Minuten erzielte Fabian Reese die Führung für unsere Mannschaft. Nach einer Viertelstunde erhöhte Eigengewächs Eitschberger sehenswert auf 2:0. Kurz vor dem Pausenpfiff gelang den Gästen der schmeichelhafte Anschlusstreffer durch einen unnötigen Elfmeter. Nach Wiederanpfiff bot sich den Zuschauern ein ganz anderes Bild. Beide Teams spielten wie ausgewechselt, Darmstadt übernahm die Kontrolle und Hertha konnte sich nach dem Darmstädter Ausgleich in Minute 62. glücklich schätzen, noch den einen Punkt mitzunehmen, denn durch ein taktisches Foul und Platzverweis spielten wir ab der 70. Minute in Unterzahl. Wir bleiben weiterhin ungeschlagen, verpassen aber erneut den ersten Sieg im neuen Jahr.

Ostkurve Hertha BSC:
Lediglich knapp 35.000 Zuschauer verirrten sich ins tiefgekühlte Olympiastadion. Die knapp 400 eingesetzten Bullen im und ums Olympiastadion hielten sich auf unserer Seite weitestgehend zurück, was zur Abwechslung auch mal angenehm war. Man sah der Ostkurve an, dass sie nicht auf ihr gesamtes Potenzial zurückgreifen konnte. So blieben einige Bereiche ungewöhnlich leer. Und das spiegelte sich auch in der Lautstärke wider. Wirklich laut wurde es selten. Jener Auftritt war vor allem in Anbetracht der ersten Hälfte nicht unserer Kurve würdig. So benötigte es nicht selten mahnende Worte unserer beiden Vorsänger.

Der Heimspieltag gegen Darmstadt stand für uns ganz unter dem Zeichen des Bullenangriffs auf unsere Ostkurve. Was der Vorfall für hohe Wellen im Anschluss geschlagen hat, bedarf hier keiner erneuten Analyse. Zu diesem Thema hat unsere Fanhilfe einige Stellungnahmen veröffentlicht und auch im Kurvenecho fanden sich weitere thematisch passende Texte. Eine Besonderheit an diesem Spieltag war, dass anstelle der „Gegen Investoren“-Fahne, im Oberring der Ostkurve erstmals „Ostkurve Hertha BSC gegen Polizeigewalt“ prangte.

Neben zahlreichen Spruchbändern, welche sich mit dem weiter erstarkenden Sicherheitsapparat befassen, gedachten einige Herthafans aus Südberlin Jerry, einem vor 10 Jahren verstorbenen Herthaner.

Mit der Schalparade zu Spielbeginn zeigten die Gruppen der Ostkurve das Spruchband „Hier und überall: Solidarität ist unsere stärkste Waffe!“. Dieses Spruchband richtete sich an sämtliche Fanszenen, welche sich nach dem Angriff der Bullen solidarisch mit uns zeigten und uns aufbauende Worte zukommen ließen. Insbesondere die Nordkurve Gelsenkirchen, die selbst attackiert wurde, zeigte sich uns gegenüber sehr solidarisch und verzichtete auf den Support. Und es unterstrich ebenso die Haltung unserer Kurve: Wir Herthaner stehen zusammen, ganz gleich welche Lügen, Vorwände und dergleichen sich die Polizeipräsidentin, die Innensenatorin, ihre Staatssekretäre, Einsatzleiter, Bullengewerkschafter und sonstige Feinde unserer Fankultur noch so aus dem Ärmel zeigen. Jeder hat sehen können, dass die Polizei seit Monaten auf Eskalation aus war, dass sie unser Heimspiel im Zeichen des Gedenkens an Kay für ihren niederträchtigen Angriff auf die Ostkurve genutzt hat und dass wir Herthaner geschlossen gegen Bullen in unserer Kurve stehen.

Da in der Woche vor dem Heimspiel gegen Gelsenkirchen zahlreiche Türen von Herthafans aufgerammt und deren Wohnungen unter rechtlich höchst fragwürdigen Begleiterscheinungen durchsucht wurden, zeigten mehrere Gruppen der Ostkurve einige Spruchbänder: Im Oberring „LKA 645: Euer Verständnis für Rechtsstaatlichkeit?“, parallel dazu war im Unterring der Ostkurve zu lesen: „Beamte mit MP im Wohnzimmer – Durchsuchung beginnt ohne Beschluss – Freundin muss sich vor männlichen Beamten ausziehen – Mutter wird weggeschubst und kontrolliert – Elternschlafzimmer durchsucht und gefilmt – Eure Willkür schüchtert uns nicht ein!“ Unterschrieben wurde diese Aktion von den Gruppen Hauptstadtmafia, Kaliber 030, Ragazzi, Crew, Y&F und Casual Kutten. Eigentlich sollten diese Spruchbänder schon zum Heimspiel gegen Gelsenkirchen gezeigt werden. Die Adressaten der Aktion verhinderten dies aber aufgrund des bekannten Vorfalls.

Im Anschluss darauf zeigten wir als Ostkurve Hertha BSC zum selbigen Thema den Spruch: „Hausdurchsuchungen als Zermürbungstaktik? Unsere Passion kann niemals gebrochen werden!“ Hiermit benannten wir das Handeln der Polizei klar beim Namen: „Zermürbungstaktik“! Es geht einzig und allein darum, junge und zum Teil minderjährige Personen psychisch zu brechen und einzuschüchtern. Anders lassen sich die martialisch und rechtswidrig anmutenden morgendlichen Überfälle für einen vermeintlichen Sachschaden in Höhe von 1.000€ nicht erklären.

Mit Anpfiff von Hälfte Zwei wurde in der Ostkurve ein griechischer Spruch, welcher übersetzt „Gute Reise, Adler!“ bedeutet, gezeigt. Anlass war der überaus tragische Tod von sieben PAOK-Fans, die sich auf dem Weg zum Europapokal-Spiel nach Lyon befanden. Fassungsloserweise fand dieses Spiel dennoch unter normalen Bedingungen statt. Ein erneutes Zeichen dafür, dass der UEFA Menschenleben egal sind und sie einzig und allein auf Profitmaximierung aus ist. Da der weiterhin ausufernde Sicherheitsapparat auch vor Berliner Landesgesetzen keinen Halt macht, hatten mehrere Gruppen der Ostkurve eine größere Spruchbandaktion zu den Reformen im Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz, kurz ASOG parat:

„Kriminalitätsbekämpfung von CDU, SPD und AfD: Präventionsmittel streichen, Massenüberwachung ausbauen, Polizeietat explodieren lassen!“ (HB´98)
„Todesschuss, Kameras und KI – Big Brother sitzt jetzt in Berlin“ (1892)
„Die Freiheit stirbt leise – Seite für Seite!“ (Crew 2008)
„736 Seiten ASOG? Unsere Antwort: ACAB!“ (Casual Kutten)
„ASOG-Reform: 736 Seiten Tod der Freiheitsrechte!“ (Ostkurve Hertha BSC)

Dazu sei folgendes gesagt: In den vergangenen Jahrzehnten ließ sich feststellen, dass absolut essenzielle Freiheiten lokal und auch global betrachtet, immer leichtfertiger hergegeben werden. Sei es durch Gesetzesänderungen von offizieller Seite, oder sei es durch den geopolitischen Wandel in Verbindung mit irgendwelchen wirtschaftlichen Interessen. Informiert euch über solche Entwicklungen und hinterfragt kritisch! Nicht alles, was unter einem scheinbar positiven Deckmantel passiert, ist richtig. Nutzt die beratenden Angebote der Fanhilfe oder auch hier im Kurvenecho. In den folgenden Ausgaben sollen außerdem weitere verschiedene Gedanken veröffentlicht werden, die das Thema „ASOG-Reform“ für Euch erklären.

Die Jungs und Mädels der Gruppa Süd hatten bezüglich der peinlichen Kommunikation von Innensenatorin Iris Spranger zu den Vorfällen mit der Polizei noch Redebedarf: Mit „030 / 902232710 – Kein Dialog unter dieser Nummer ! ;(“ präsentierte GSB die Telefonnummer des Büros von Iris Spranger. Wir freuten uns an jenem Sonntag über den Besuch von einigen winterfesten Phönix Sons und weiteren Karlsruhern.

Gäste:
Der Gästeanhang rund um die Gruppen Usual Suspects und Ultra De Lis war akustisch nicht bei uns zu vernehmen und auch die Anzahl der Hessen war – trotz Sonntagsspiel – sehr mau. Optisch gab es wenigstens eine größere Anzahl an kleinen und großen Schwenkfahnen zu bestaunen. Die Darmstädter zeigten sich im Verlauf des Spiels solidarisch und zeigten ein Transparent mit der Aufschrift: „Bullen raus aus den Kurven!“. Im Nachgang des Spiels erreichte uns die Information, dass sich die Gäste am Einlass wieder einmal einer konfrontativ auftretenden Polizeieinheit gegenübersahen. Es gab hierbei einen durch die Polizei im Gesicht verletzten Gästefan. Die angespannte Situation beruhigte sich wieder, da von Fanseite besonnen reagiert wurde, um die Eskalation zu verhindern. Die Berliner Polizei stänkerte also auch an diesem Spieltag wieder kräftig herum.