Hertha BSC – SC Freiburg 1:1 (4:5 n. E.)

Tore:
0:1 Suzuki (96.),
1:1 Reese (104.)

Zuschauer: 56.743

Zum Spiel:
Das Spiel begann sofort schwungvoll, die ersten Chancen auf beiden Seiten gab es schon nach wenigen gespielten Minuten. Nach nicht einmal 10 Minuten zappelte der Ball im Netz der Freiburger, doch der Treffer wurde vom Videobeweis nach minutenlanger Prüfung wegen einer Abseitsstellung eines vermeintlich aktiv eingreifenden Spielers zurückgenommen. Schiedsrichter Ittrichs Erklärung über das Stadionmikrofon ging in einem lautstarken „Scheiß DFB“ unter. Für den emotionalen Fußball kann es nur eine Lösung geben: Schafft die Scheiße ab und nervt uns nicht mit Schiedsrichter-Durchsagen und dem Videobeweis!

Es entwickelte sich eine spannende Partie, in der beide Mannschaften ungefähr auf Augenhöhe agierten und ein Klassenunterschied definitiv nicht zu erkennen war. Auf beiden Seiten zeichneten sich aber auch die Keeper aus und hielten ihre Tore sauber, sodass es nach 90 Minuten in die Verlängerung gehen musste. Diese begann denkbar übel, denn nach einer Unaufmerksamkeit beim Rückpass auf Keeper Ernst kam Suzuki an den Ball, umkurvte Tjark Ernst und schob ein. Doch unsere Mannschaft gab sich nicht auf, kämpfte weiter und noch vor der Halbzeitpause der Verlängerung konnte Reese mit einem absoluten Traumtor von der Strafraumgrenze den Ausgleich direkt vor der Ostkurve herbeiführen. Die zweite Hälfte der Verlängerung konnte keine Entscheidung liefern, daher ging es ins Elfmeterschießen, in dem unsere Mannschaft leider nach kämpferischen und einsatzstarken 120 Minuten das Nachsehen hatte.

Ostkurve Hertha BSC:
Schon weit vor Anpfiff war die Kurve gut gefüllt und sang sich während des Aufwärmens der Mannschaft ein. Hierbei wurde schon mit dem ersten „Auf geht’s Hertha“ die Marschroute für den heutigen Abend vorgegeben und als die Mannschaft vor die Kurve kam, wartete eine hochmotivierte, eingehakte Ostkurve hinter einem bereits bekannten Spruchband mit der Aufschrift „Pokalkrieger“ und vollzog den symbolischen und gesanglichen Schulterschluss: „Gemeinsam hol’n wir den Pokal!“

Die Ostkurve erwischte heute einen sehr guten Abend und konnte mit hoher Motivation, Geschlossenheit und immer wieder von vereinzelten Fackeln im Bereich der aktiven Fanszene untermalt die Mannschaft nach vorne peitschen. Der Traum vom Pokal lebte und das merkte man der Ostkurve und den angrenzenden Bereichen an, die ausnahmslos standen und sich viel an den Gesängen beteiligten. Wir setzten auf eine Mischung aus Schlachtrufen, simpleren, aber auch melodischen Liedern, kurzum: den Mix, der uns als Ostkurve Hertha BSC auszeichnet. So konnten etliche Gänsehautmomente erzeugt werden. Besonders das „Wir, wir woll’n Hertha“ knallte beeindruckend raus. Generell wurden die Lieder lange gehalten und auch komplexere Lieder, zum Beispiel das zum Pokal passende „Ich will dich doch nur einmal ganz oben seh’n“, wurden in guter Lautstärke vorgetragen. Das Elfmeterschießen wurde von Schlachtrufen begleitet, die leider nicht zum Sieg verhalfen. Die sichtlich enttäuschte Mannschaft wurde von der ebenfalls sichtlich enttäuschten Ostkurve und vielen Tausend weiteren Herthanern umgehend wieder aufgebaut. Zur Seite standen uns dabei viele Karlsruher und eine Handvoll Strasbourgeois. Ja, unser Traum ist mal wieder geplatzt, aber der Mannschaft kann man nach der gezeigten Leistung nun wirklich keinen Vorwurf machen und jeder Herthaner kann stolz darauf sein, wie sich unsere Elf auf dem Platz zerrissen hat, um uns unseren Traum zu erfüllen!

Gästefans:
Etwa 5.000 Fans des SC Freiburg begleiteten ihre Mannschaft nach Berlin, wobei sich mit Sicherheit auch viele in Berlin lebende Hipster ans Marathontor verirrt haben dürften. Unten hing eine große „Sport-Club Freiburg“-Fahne und an einer Stangenkonstruktion im Gästeblock die Gruppenfahnen der Corrillo Ultras, Synthesia 79, Freiburg Asozial und den weiteren Bestandteilen der Freiburger Fanszene. Auch im Oberring war der Zaun teilweise beflaggt, das haben andere Fanszenen schon schlechter hinbekommen. In der zweiten Halbzeit wurde im Oberring ein großes „SC Freiburg-Fans gegen Polizeigewalt“ aufgehängt, womit sich offenkundig mit unserer Kurve solidarisiert wurde. Danke für dieses Zeichen – Solidarität ist die stärkste Waffe der Kurven! Den Spielbeginn unterstrich der Gästeblock mit einer Fähnchen-Choreo unter dem Motto „Für immer und Dich“ – möglicherweise lieferte der gebürtige Berliner Rio Reiser hier die Vorlage. Einige Blinker wurden zur Choreo gezündet, die aber eher weniger Effekt hatten und hinsichtlich Anzahl deutlich zu schwach bemessen waren. Besser sahen dafür die immer wieder gezündeten Fackeln und Rauchtöpfe im Bereich der aktiven Fanszene aus, dabei war die untere Hälfte des Stehplatzblocks überwiegend in Bewegung. Die Mitmachquote lässt sich dennoch schwer abschätzen, bei einer zwischenzeitlichen Schalparade war die Beteiligung unterirdisch, hieran dürften sich keine 300 Fans beteiligt haben. Doch kurz nach Spielbeginn konnte man die Breisgauer in den Pausen zwischen unseren Liedern zweimal in der Ostkurve vernehmen. Akustisch war das ansonsten nicht gut und stark ausbaufähig.