Hertha BSC – Dynamo Dresden 2:0

Tore:
1:0 Cuisance (13.),
2:0 Reese (45. +2, FE)

Zuschauer: 70.914

Zum Spiel:
Von Beginn an machte unsere Hertha Druck und bereits nach wenigen Minuten tauchte Schuler allein vor dem Tor auf, traf aber nur den Kopf des Dresdner Schlussmanns. Nach einer knappen Viertelstunde machte es Cuisance besser, tanzte zwei Gegner elegant aus und nach einem feinen Doppelpass mit Gechter netzte der Franzose aus knapp 15 Metern eiskalt ins obere Eck ein. Hertha ließ nicht nach und verteidigte geschlossen, sodass Dynamo nahezu keinen nennenswerten Abschluss vorweisen konnte. Zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt unmittelbar vor dem Pausenpfiff erhöhte Reese vom Elfmeterpunkt auf 2:0, nachdem Karbownik zuvor zu Boden gegangen war. In der zweiten Hälfte blieb Hertha spielbestimmend, eine gute Kopfballchance der Sachsen entschärfte Ernst bärenstark.

Somit holte unsere Mannschaft den dritten Sieg im dritten Heimspiel binnen einer Woche und es macht den Eindruck, dass diese Mannschaft inzwischen zusammengefunden hat. Weiter so!

Ostkurve Hertha BSC:
Dass der Sicherheitsapparat heute am Rad drehen würde, zeigte sich bereits bei den Einlasskontrollen am Osttor, wo die Bullen Bereiche betreten wollten, die für sie tabu sind. Trotz des enormen Aufgebots an Einsatzkräften, der strikten Fantrennung an den Stadiontoren und wahnwitzigen Aufbauten im Stadionumfeld hatten die Sicherheitskräfte den einzigen Bereich, wo Gästeblock und Heimbereich aneinandergrenzen, nicht im Blick – im Oberring der Gegentribüne kam es zu einer kurzen Auseinandersetzung. Die Ostkurve eröffnete die Partie mit einem blau-weißen Streifenmuster aus Fähnchen. Dazu verkündete das Spruchband vor der Kurve unseren Vereinsnamen und farblich passender Rauch sowie in die Luft geschossene Rauchminen, die erstmals in der Ostkurve Hertha BSC zum Einsatz kamen, rundeten das Bild ab.

Gesanglich zeigte sich die Ostkurve stark aufgelegt. Große Teile der Kurve und der angrenzenden Blöcke, in Block P stand heute ebenfalls ein Vorsänger, zogen dauerhaft mit. Ebenso wie die Formkurve der Mannschaft zeigte auch die Formkurve der Kurve nach oben, was nach dem verschlafenen Saisonstart bei den Heimspielen auch so langsam mal Zeit wurde. So konnte ans Pokalspiel angeknüpft werden, denn “Hier kommt Hertha” können wir inzwischen wieder im Glauben an die gesungenen Worte anstimmen! Kurz nach dem Führungstreffer durch Cuisance zeigten wir ein Spruchband, das wir der Gegenseite unter die Nase hielten: “Ob Karten, Levi’s, Westfernsehen oder doch die DDR zurück… Irgendwas wollt ihr immer!”

Eine weitere Spruchbandaktion, diesmal gemeinsam mit der Gegenseite, widmete sich den wahnwitzigen Maßnahmen, mit denen die Innenministerkonferenz die Fankurven unseres Landes auslöschen will:

“Ein Gewaltproblem erfinden und Fankurven kriminalisieren…” (HB’98)
“… um im Anschluss den Rechtsstaat auszuhöhlen” (Ultras Dynamo)
“Innenminister-Wahnsinn stoppen!” (beide Seiten)

Passend dazu wurde “Ihr wollt uns aussperr’n” angestimmt und den inzwischen sinnlos auf der Tartanbahn herumstehenden behelmten Einsatzhundertschaften entgegengeschleudert. Was deren Mission dort war, wird sich wohl auch niemandem erschließen. Vermutlich produzierte man einfach genau die Bilder, die man in den Behörden vor der Innenministerkonferenz kreieren will und so wurde auch in der Berliner Medienlandschaft ausgiebig über Polizeiketten und vereinzelte Festnahmen irgendwelcher Stadionbesucher berichtet.

Die Stimmungshoheit ließen wir uns nicht mehr aus der Hand nehmen und der dritte Heimsieg in einer Woche wurde ausgiebig mit der freudestrahlenden Mannschaft gefeiert und zum ersten Mal seit beinahe zwei Jahren zelebrierte die Ostkurve wieder eine “Uffta!” – beim letzten Mal feierte Kay das Weiterkommen im Pokal gegen den HSV noch voller Leidenschaft mit…

Weitere Spruchbänder begrüßten heute Nachwuchs in der Ostkurve („Willkommen in der blau weissen Herthafamilie Elina!“ [Sektion Pankow] & „Willkommen Elina“ [Sektion 447], „Seit Tag eins ein blau weisses Kämpferherz, willkommen Oscar!“ [Sektion Pankow]) und wünschten einem Herthaner für einen bevorstehenden Wettkampf den Erfolg („Kämpfen & Siegen Tom!“ [Hauptstadtmafia & Kaliber 030]). Wir hatten zudem eine Handvoll Genoani zu Gast.

Gäste:
Auch auf die Gästefans warteten wahnwitzige Aufbauten am Gästeeingang, die Polizei ließ immer nur schubweise Personengruppen durch verschiedenste Schleusen hindurch. Alles wimmelte von Beamten, Polizeihunden und Überwachungskameras. Hertha BSC präsentierte sich als äußerst unfreundlicher Gastgeber. Das zeigte sich auch daran, dass den Gästefans jegliche Choreomaterialien untersagt wurden, bevor es am Einlass dann laut den Gästefans einen unwürdigen Affentanz gab: So hätten Ponchos außerhalb des Stadions einzeln an die Dynamo-Fans verteilt werden dürfen und hinter den Einlasskontrollen wieder in Kisten eingesammelt werden können. Die mit Ponchos befüllten Kisten durften den Einlass wiederum nicht passieren. Intransparent schieben sich der Verein und weitere beteiligte Behörden den schwarzen Peter zu und niemand will hierfür die Verantwortung übernehmen. Zu einem Fußballspiel gehört zwangsläufig auch Materialfreiheit für Gästefans und es ist eine Schande, wie hier mit den optischen Stilmitteln der Gästefans umgegangen wurde!

17.798 Sachsen betraten über den Eingang am Südtor das Stadion, im Gästeblock selbst versammelten sich 11.000 Dresdner, überraschenderweise klaffte die eine oder andere größere Lücke. Der Gästeblock wurde mit einem sehenswerten Zaunfahnenbild behangen, wobei Ultras Dynamo ihre Heimzaunfahne im Oberring und ihre Auswärtsfahne im Unterring des eigentlichen Gästeblocks anbrachten. Trotz des freien Verkaufs hatten sich weniger Sachsen als angekündigt in den Nebenblöcken eingefunden, sodass man von rund 20.000 Gästefans ausgehen kann. Am Marathontor hingen die Gäste zudem eine DDR-Fahne auf und bestätigten somit unser Spruchband: War man früher im Tal der Ahnungslosen neidisch auf die Einwohner unseres Einzugsgebiets in Ost-Berlin und Brandenburg, die Westfernsehen empfangen konnten, honoriert man heute mittels Fahnen die DDR.

Mit 20 schwarz-weiß-gelben Schwenkfahnen hatte man ein markantes, optisches Stilmittel ins Stadion bringen können. Die Fanszene der SGD verteilte sich auf beide Seiten des Marathontors und hierbei sowohl auf den Ober- und den Unterring. Dennoch blieb die akustische Unterstützung hinter dem letzten Gastauftritt zurück. Das nervenraubende Einlassprozedere, die nicht genehmigte Choreo und der Spielverlauf hatten hierauf sicherlich Einfluss, dennoch blieb Dynamo (weit) unter den Erwartungen – wobei man natürlich erwähnen muss, dass die Messlatte für den K-Block höher liegt als für viele andere Fanszenen, die im Olympiastadion an die Lautstärke und Mitmachquote der Sachsen dennoch nicht herankämen. Unterstützung erhielt Dynamo heute aus Polen, 17 Gäste von Motor Lublin waren ohne Fahne bei den Sachsen anwesend.