Gelsenkirchen – Hertha BSC 2:1

Tore:
1:0 Sylla (16.),
2:0 Katic (23.),
2:1 Grønning (89.)

Zuschauer: 62.083

Zum Spiel:
Von der Fußball-„Fachwelt“ als einer der Topfavoriten in Sachen Aufstieg auserkoren, durfte Hertha BSC zur Saisoneröffnung am Freitagabend in der Arena antanzen und vergeigte in klassischer Herthamanier den Beginn des Spiels, in dem man sich – wie so schon oft in diesem Leben – von den fußballerischen Grundtugenden (Zweikampfhärte, Giftigkeit und Laufbereitschaft) den Schneid von eigentlich limitierten Hausherren abkaufen ließ. So war das Spiel gefühlt nach dem 2:0 gelaufen und Hertha glänzte mit brotlosem Ballbesitz, während die Königsblauen einfach nur noch manndeckten und Hertha machen ließen. Sinnbildlich dafür waren die zehn Ecken für Hertha, von denen nicht eine Einzige gefährlich war, bzw. über den ersten Pfosten hinausging. Als es zu spät war, verkürzte Grønning sehenswert, doch eine eventuelle Schlussoffensive wurde von der Heimtruppe mit allerlei Theatralik und Zeitspiel torpediert. Der Kicker hatte es vor dem Spiel schon beschworen, als er darauf hinwies, dass Hertha seit 2021 kein Auftaktspiel mehr gewinnen konnte, womit alle Optimisten längst auf dem Boden der Tatsachen hätten sein müssen.

Ostkurve uff Achse:
Knapp 5.300 Herthafans machten sich auf den Weg in den Pott, um ihre „gelben Götter“ zum Saisonauftakt in der Turnhalle von den Rängen zu unterstützen und kamen dem Aufruf „Alle in Weiß“ nach, was schon mal ein gutes Bild abgab. Dazu wurde die Außenbereiche des Gästesektors mit blau-weißen Stoffbahnen abgehängt, unten hing die „Nur echt in Blau-Weiß“-Fahne und in der 10.Minute erschien im Oberring das Spruchband „Zusammen in Weiß – Gemeinsam gegen Gelb!“ Ab der 15. Minute war das normale Zaunfahnenbild zu sehen. Auf die Problematik des gelben Dritttrikots und weiterer Fehlgriffe im Merch gehen wir an anderer Stelle ein, es wird uns auf jeden Fall die Saison begleiten.

Die Stimmung war insgesamt leider nicht gut wie gewünscht und der Spielverlauf trug sein Übriges dazu bei. Es gab zwar ein paar laute Momente, aber insgesamt war das zu wenig, wenn man vergleicht, was wir an selber Stelle schon geleistet haben. In der dreißigsten Minute gab es zwei Aufmunterungsspruchbänder für Sille, einem Mitglied der Gruppe 153, der an Krebs erkrankt ist und dem wir alle viel Kraft für den weiteren Weg wünschen („Stärker als jeder Krebs – kämpfen und siegen, Sille!“ von 153, Young&Free und Kaliber 030 im Oberring und „Niemals aufgeben Sille!“ von uns Harlekins im Unterrang).

Da die Eintrittskarten wieder lieblos per Mail verschickt wurden, gab es in der sechzigsten Minute unser „Traditionelle Eintrittskarten erhalten!“- Spruchband zu sehen (Scheiß Print@home!). Bei der Verabschiedung der Mannschaft präsentierten wir erneut das Spruchband vom Beginn „Zusammen in Weiß – Gemeinsam gegen Gelb!“, ehe es ereignislos nach Hause ging. Zu Besuch waren rund 50 Karlsruher und 17 Anhänger des Racing Club aus Strasbourg.

Heimkurve:
Zu Beginn des Spieles zeigte die Nordkurve eine zweigeteilte Choreo, welche im ersten Teil die wohl negativen Höhepunkte der letzten Jahre thematisierte. Zwischen Ober- und Unterrang wurde das Spruchband „Manch Böser Tag zog schon ins Land…“ gezeigt. Dazu verteilten sich viele, wohl für die Gelsenkirchener, prägende negative Ereignisse (Finanzkrisen, Meister der Herzen, Medienhetze, …) als Spruchbänder über den ganzen Block. Unten im Block wurde noch der Spruch „1000 Trainer schon verschlissen…“ hochgehalten. Wohl eine Anlehnung an eines der zig Lieder, die vor Anpfiff durch die Stadion Lautsprecher plärrten. Was Neues wurde einem hier nicht erzählt, jeder treue Hertha Fan kann über solche Ereignisse wohl auch das ein oder andere Lied singen. Nach einem, von außen betrachtet chaotischem Wechsel der Aktionen, stand auf dem Oberring mit weißen Zetteln auf blauem Hintergrund „Nordkurve“ geschrieben. Im Unterring wehten diverse blau-weiße Choreofähnchen. Auf dem zentralen Spruchband stand nun „Manch böser Tag zog schon ins Land. Doch wir steh´n immer Hand in Hand!“

Für die Heimseite lief anschließend natürlich alles nach Plan, so erwies sich das Überemotionalisieren des Schalkerseins (Spruchbandchoreo mit dem Memepotential der letzten Jahre) vor Anpfiff als Stimmungsfördernd, denn später klinkten sich ein paar Mal die restlichen Bereiche der Arena mit ein, auch wenn es gefühlt nur zwei Lieder waren. Hertha erwies sich ebenfalls als toller Gast und wehrte sich nicht großartig, so dass alle Königsblauen einen von vorne bis hinten schönen Saisonauftakt hatten, der immer wieder mit einigen Stimmungsfackeln untermalt wurde.