Tore: keine
Zuschauer: 41.752
Zum Spiel:
Mit Spannung wurde das Trainerdebüt von Stefan Leitl erwartet. Würde er die zuletzt kriselnde Mannschaft besser erreichen als Vorgänger Fiel? Man durfte gespannt sein, ob ein neuer Trainer tatsächlich die zu verändernde Stellschraube ist oder ob es nicht viel mehr die Mannschaft ist, die ihre in den anderthalb Zweitligajahren immer mal wieder aufflackernde Mentalität einfach mal konstant halten muss. Genug der Vorrede. Zwar stand Stefan Leitl an der Seitenlinie, der gespielte Fußball erinnerte aber an Serienretter Pál. Hertha ließ hinten über das gesamte Spiel hinweg extrem wenig zu. Während die Defensive also schon mal stand und die Partie zu jeder Zeit unter Kontrolle war, ging nach vorne zwar einiges, doch wirklich zwingend kam die Mannschaft selten vor den Kasten der Nürnberger. Am Ende stand ein torloses Remis und zumindest mal wieder ein Punkt, auch wenn Hertha den Siegtreffer sicherlich mehr verdient hätte als die Gastmannschaft.
Ostkurve Hertha BSC:
Ganz kurz gesagt: Warum eigentlich nicht immer so? Die Ostkurve erwischte heute einen veritablen Sahneabend. Woran es lag – Abendspiel, sportliche Hoffnung infolge des Trainerwechsels, veränderte Vorsängersituation, gelungene Liedauswahl – ist erstmal zweitrangig. Das machte heute richtig Spaß. In der ersten Halbzeit wurden die Gesänge mit Intensität durch das weite Rund geknallt und in der zweiten Halbzeit konnte die Kurve teilweise noch eine Schippe drauflegen. Immer mal wieder schalteten sich auch die Nebenblöcke mit ein.
Zum Einlaufen zeigten wir uns solidarisch mit unseren Freunden aus Strasbourg. 1892 forderte mit “Blueco Out!”, dass sich der Investor aus dem Racing Club de Strasbourg verpissen soll, während wir in Anlehnung an das Ostkurven-Motto “Wir sind der Verein” etwas weiter ausholten: “Le Racing c’est vous – continuez à combattre, UB90!” (dt.: Der Racing seid ihr – weiter kämpfen, UB90!). Die Strukturen in Frankreich sind dahingehend anders, dass die Fans nicht stimmberechtigte und mündige Mitglieder des Vereins sein können. Es sind aus unserer Sicht dennoch Fans wie die UB90, die die Niederungen des französischen Amateurfußballs mitgemacht haben, die dem Racing die Treue halten, ihm folgen und ihn unterstützen, die die Identität des RCS verkörpern. Die Investorentruppe, die auch beim Chelsea FC engagiert ist, ist so wenig das Wesen des Vereins wie es die 777-Leute bei Hertha BSC sind. Trauriger Anlass für ein Spruchband der 71er und eines der Ragazzi della Curva waren Todesfälle im Familien- und Fanclubumfeld. Ruht in Frieden und an die Hinterbliebenen: Stark bleiben!
Auch am heutigen Abend blieben wir nicht auf uns allein gestellt, sondern durften zwei Freunde aus Strasbourg und auch ca. 15 Karlsruher in unseren Reihen begrüßen.
Gäste:
Nachdem es vor zwei Wochen bereits ein Spiel ohne anwesende Gästefanszene gegeben hatte, als über 200 Lauterer aufgrund einer Auseinandersetzung von ein paar Businsassen mit Aachener Fans von den Bullen nach Hause geschickt wurden, war auch heute in der ersten Halbzeit Totentanz im Gästeblock angesagt. Grund hierfür war eine Vollsperrung auf der A9, in der die Buskolonne der UN’94 feststeckte. Die BDA und augenscheinlich auch viele weitere organisierte Glubberer waren bereits vor Spielbeginn anwesend, warteten mit ihrem Support aber die Ankunft der Hauptgruppe der Nordkurve Nürnberg ab. Die Ultras Nürnberg kamen dann auch kurz vor dem Pausenpfiff an. Wer aber mit einem emotionalen oder akustischen Ausbruch nach Betreten des Stadions gerechnet hätte – davon war nichts auszumachen. UN’94 betrat den Block, BDA zog Fahnen zum Vermummen hoch und die Ultras Nürnberg hängten erstmal in aller Seelenruhe ihre Fahnen auf. Das war eine ganz merkwürdige Ankunft. Zu Beginn der zweiten Halbzeit erleuchtete dann eine Pyroshow der Banda di Amici den Gästeblock. Rote und gelbe Fackeln wurden gezündet und die ein oder andere Rakete wurde in den Abendhimmel geschossen. Zwar war der Gästeblock jetzt dauerhaft in Bewegung, akustisch angekommen in der Ostkurve ist aber wenig bis nichts.
Im Gästeblock gab es ein Genesungsspruchband (“Gute Besserung Gerry!”) zu sehen, außerdem waren Gäste aus Gelsenkirchen (Junge Chaoten) und Wien (Ultras Rapid und Spirits) im Gästeblock auszumachen.






