Hertha BSC – 1. FC Magdeburg 1:1

Tore:
0:1 Musonda (44.),
1:1 Gechter (45.+2)

Zuschauer: 62.057

Zum Spiel:
Die Magdeburger reisten als auswärtsstärkste Mannschaft der Liga am Freitagabend nach Berlin, Hertha hingegen bekleidete in der Heimtabelle den letzten Platz. Entsprechend fiel das auch optisch auf dem Rasen auf, Magdeburg agierte clever und abgeklärt, während Hertha zwar wollte, aber kein richtiges Mittel gegen die Elbestädter fand. Nach einer guten Chance für Reese zu Beginn der Partie übernahmen die Gäste das Geschehen, machten mehr nach vorne und erspielten sich einige Möglichkeiten, die noch ungenutzt blieben. Kurz vor der Pause gingen die Gäste in Führung, doch keine zwei Minuten später köpfte Gechter die Kugel zum Ausgleich in die Maschen. Mit diesem Ergebnis ging es in die Kabine, aus der Hertha etwas besser herauskam. Erneut hatte Magdeburg jedoch die Chancen zu Führung, am Ende blieb es beim verdienten Unentschieden, was Hertha den Klassenerhalt bescherte.

Ostkurve Hertha BSC:
Das Spiel startete mit einer Schweigeminute für Walter Frankenstein, Holocaust-Überlebender und langjähriges Mitglied bei Hertha BSC. Frankenstein war Montag vor dem Spiel in seiner Wahlheimat Stockholm im Alter von 100 Jahren verstorben. Der Verein gedachte ihm unter anderem mit einem Nachruf und ließ vor der Schweigeminute ein Video über ihn auf den Anzeigetafeln laufen. Auch die Gruppen der Ostkurve beteiligten sich am Gedenken in Form eines Spruchbandes: „Man ist frech, man hat keine Angst – man hat gute Freunde und man hat viel, viel Glück – Ruhe in Frieden Walter Frankenstein!“. Das Zitat stammt dabei von Walter selbst. Akustisch startete die Kurve gut in die Partie, konnte am heutigen Abend aber zu keiner Zeit ihr vorhandenes Potential über einen längeren Zeitraum abrufen. Die Gesänge waren laut, aber nicht brachial, da dürfen auch keine Ausreden wie eine tiefstehende Sonne oder mangelnde Kraft nach einer anstrengenden Arbeitswoche zählen.

Mit „Willkommen zurück Alex und M.“ begrüßte die Hauptstadtmafia zwei ehemalige inhaftierte Karlsruher zurück in Freiheit. Ein weiteres Spruchband zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es abermals von den Gruppen der Ostkurve und lautete „Missstände aufklären, funktionierende Kontrollinstanzen etablieren!“. Anlass sind die erneuten Unruhen hinter den Kulissen innerhalb des Vereins. Mit „Stop collectieve Straffen!“ sprachen wir Harlekins den niederländischen Ultras unsere Solidarität im Kampf gegen den KNVB aus, ein mehrseitiger Blick in die Szene unseres Nachbarlandes landete im Kurvenecho zum Spieltag. Zu Gast waren heute eine Handvoll Strasbourgeois und ein Karlsruher, danke für die Unterstützung.

Gäste:
Die Elbestädter brachten erneut eine hohe Anzahl an Schlachtenbummlern mit nach Berlin, am Ende werden es zwischen 15.000 und 17.000 Magdeburger gewesen sein. Diese durften sich wie wir direkt mit der Anwesenheit zahlreicher Bullen aus Sachsen herumplagen, hier war wohl die Vorbereitung auf den anstehenden 1.Mai Schuld daran. Block U teilte sich auf beiden Seiten des Marathontors auf, während auf der von uns aus linken Seite Commando Eastside stand, waren auf der rechten Seite Blue Generation und Freitag, der 13. mit Zaunfahnen vertreten. Mit einem gut hörbaren „Fußballclub Magdeburg“ starteten die Gäste in die Partie und waren auch im Verlauf des Spiels immer mal wieder deutlich zu vernehmen.

Gemessen am ersten Auftritt in der letzten Saison war es alles einen Tick schwächer, was aber immer noch ein sehr gutes Level bedeutet und den Support von einem Großteil der Liga locker in die Tasche steckt. Die Platzverhältnisse im Block sorgten dafür, dass zahlreiche große Magdeburger Fahnen den Weg ins Stadion fanden und so ein gutes Bild abgaben. Ansonsten blieb der Block optisch recht blass, Schwenkfahnen oder Doppelhalter wurden gleich ganz zuhause gelassen. Dafür konnten die Gäste mit gutem und geschlossenen Schaleinsatz punkten. Unter dem Strich lässt sich ein ähnliches Fazit wie zum Auftritt der Ostkurve ziehen: war gut, war in Ordnung, wird aber nicht für ewig im Gedächtnis hängen bleiben. Auf dem Rückweg mussten die Bullen natürlich noch ihre Anwesenheit rechtfertigen, sodass es in Spandau noch zu einem Einsatz gegen die Magdeburger kam. ACAB!