Notizen 2018/19

Leipzig – Hertha BSC 0:5

Tore:
0:1 Forsberg (17.),
0:2 Poulsen (27.),
0:3 Poulsen (56.),
0:4 Poulsen (62.),
0:5 Haidara (64.)

Zuschauer: 41.939 (ausverkauft)

Zum Spiel:
Das war ja mal überhaupt nichts, liebe Hertha! Jedem Herthaner war bewusst, dass es gegen die mit Taurin gespritzten Leipziger mehr als schwer werden würde. Aber dass unsere Mannschaft so konzeptlos antritt und dermaßen haarsträubende Fehler macht und den Gegner damit reihenweise zum Tore schießen einlädt, war dann doch zu viel des Guten… Von Anfang an war Leipzig spielbestimmend und kam in der 14. Minute durch Forsberg zur ersten gefährlichen Chance durch einen Freistoß, der aber nur am Außennetz landete. Zwei Minuten später traf er allerdings nach schönem Vorspiel von Kampl und das Übel nahm seinen Lauf. Hertha bekam nach vorne wenig bis gar nichts hin und leistete sich in der Abwehr schwere Fehler. Ein solcher Fehler von Lustenberger führte zehn Minuten nach der Führung zum 2:0 durch Poulsen. Mit diesem Ergebnis ging es auch in die Pause, Hertha hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht eine einzige Möglichkeit in der Offensive herausgespielt.

Manch ein Herthaner hatte mit dem Spiel bereits abgeschlossen, andere Mitgereiste rechneten sich Chancen durch eine motivierende Halbzeitansprache von Dardai aus. Wäre ja nicht das erste Mal in seiner Amtszeit gewesen, dass die Mannschaft mit einem anderen Gesicht aus der Pause kommt. Bereits kurz nach Wiederanpfiff merkte man allerdings, dass die Pessimisten Recht behalten sollten. Poulsen mit zwei weiteren Toren und der Neuzugang Haidara mit einem Treffer, machten innerhalb von nur neunzehn Minuten nach Wiederanpfiff alles klar. Fakt ist: Diese Leistung war unserer Hertha nicht würdig! Hoffen wir, dass Dardai den Spielern gegenüber die gleiche Emotionalität vermitteln konnte, wie nach dem Spiel gegenüber den Medien.

Herthaner uff Achse:
Die Ultras plus Umfeld starteten aufgrund der vorhandenen Komplikationen auf der Zugstrecke, für uns eher ungewohnt, mit Autos und 9ern in Richtung Leipzig. Da man sich zeitig genug aufmachte, konnte vor Ort noch in der Leipziger Altstadt eingekehrt werden. Nach kurzer Zeit rief der Haufen von rund 250 Herthanern natürlich die Bullen auf den Plan, welche die Zugänge zur besuchten Kneipengasse auf beiden Seiten absperrten und mit einer Kontrolle aller Personen drohten. Aus einem schweren Raub wurde ein Diebstahl und am Ende war es dann doch nur einer Verwechslung des Barpersonals! Per Shuttlebussen ging es für uns am Nachmittag dann in Richtung Zentralstadion, wo in der ersten Halbzeit auf die reguläre Beflaggung verzichtet wurde und eine große „Ostkurve Hertha BSC“-Fahne mit der Aufschrift „Wir wollen Fußball mit Herz und Seele, ohne Konzerne und ohne Milliardäre!“ am Oberrang hing. Diese Fahne soll eines unserer Hauptanliegen in der modernen Fußballwelt symbolisieren. Auch wenn es utopisch und zum Scheitern verurteilt scheinen mag: Für solch einen Fußball stehen wir ein und kämpfen wir – nicht nur in Leipzig, aber vor allem dort!

Der offiziell ausverkaufte Gästeblock, viele Plätze im Unterrang blieben merkwürdigerweise leer, mit rund 3.600 Herthanern legte auch ganz gut los und ließ sich weder vom Spielverlauf, noch vom Ergebnis beirren. Mit dem Tor zum 0:3 folgte die Kehrtwende auf den Rängen, dieses Mal jedoch im positiven Sinne. Die Mitgereisten taten es quasi der Mannschaft gleich und kapselten sich vom Spielgeschehen ab. Fortan wurde der im Zimmer hängende Wimpel besungen und auch das alte „Wir sind keine Konsumenten!“ kam wieder zum Vorschein. Die jüngeren Herthaner kennen dieses Lied teilweise überhaupt nicht und uns selbst besingende Protestlieder sind auch eher selten bei uns. Aber dieses Lied spiegelt das Gefühl, als aktiver und kritischer Fan im heutigen Fußballbusiness zu überleben, ziemlich gut wieder. Alles in allem ein erfrischender Auftritt der Ostkurve!

Heimkurve:
Musste man dem Leipziger Eventpublikum im ersten Jahr zumindest noch einen lauten Auftritt bescheinigen, ist mittlerweile das eingetreten, was viele Leute erwartet haben. Ein durch und durch emotionsloses und amerikanisiertes Publikum, dessen krampfhafter Versuch, Stilmittel der Fankultur zu adaptieren, gescheitert ist. Gedruckte Fanclubfahnen in zig verschiedenen Farben und eine Heimkurve die selbst im Zentrum unzählige Lücken aufweist. Ein paar laute Momente nach den Toren gab es im Stadion, aber für ein 5:0 Sieg und ein Sichern eines Champions-League Platzes war das dünn.